Oscar, Hinz & Kunz

08. März 2010

Was ich an der Oscar-Verleihung, an allen Preisverleihungen so liebe?
Die Danksagungen der Ausgezeichneten.
Das ist es, weshalb ich, wie heute morgen, mit einer Kathryn Bigelow oder einem Jeff Bridges Tränen vergiessen könnte oder die ganze Welt umarmen…
In dem Dank, den Preisgekrönte den Menschen in ihrem Umfeld aussprechen, zeigen sie, finde ich, ihr ganz privates und intimes Gesicht…und ich finde sie damit schöner als sie jede Botoxspritze, jeder Couturier und jeder Kameramann ins Licht setzen kann…sie selbst leuchten aus ihren dankbaren und stolzen Augen.

Hast du heute schon gedankt? Dir selbst vielleicht und anderen?
In einer Übung in meinem Workshop geht es um Dankbarkeit.
Stelle dir vor, dir verleiht ganz einfach so, die Acadamy for Allday-Life für dein Lebenswerk einen Oscar…egal wie klein oder unbedeutend du dein Leben gerade empfinden magst, stell dir vor, du bekommst ihn, alle applaudieren dir zu…und du hältst jetzt eine Dankesrede an alle, die dich umgeben und geholfen haben, zu werden was und wie du heute bist… Nimm einen Zettel, schreibe auf wem du dankst und wofür genau. Mach das öfter mal…und sieh dir danach deine Augen im Spiegel an…

Her mit dem Genus(s)!

10. November 2009

Leider heute immer noch kein neuer Blogeintrag. Bin beschäftigt. Nämlich damit, geschriebenes unter die Leute oder an den Mann zu bringen. Wieso gibt es dazu eigentlich kein weibliches Pendant mit passender Präposition?
Schließlich stellt der weibliche Bevölkerungsanteil das Gros an buchkaufenden Lesern.
Mal sehen…soll ja kein Abklatsch des Unbestimmten oder Maskulinums von oben werden…
Wie wäre es mit in die Frau? Das klingt zu chirurgisch…durch die Frau? Nein, das penetriert ja noch mehr…merkwürdig…fällt mir nix anderes ein?

..drei Stunden später:
Nach eingehenden Versuchen mit auf die Frau, über die Frau, an, zwischen, unweit der Frau oder längs ihrer, habe ich mich für ein klares und eindeutiges jenseits der Frau entschieden. Warum?
Weil ich mehr bin, weil wir alle mehr sind als Mann, Frau oder Neutrum.

www.last.fm

Wieviel Drama braucht ein Mensch?

01. Oktober 2009

Jetzt, nach der Aufführung unserer Komödie, ist wieder ein wenig Stille eingekehrt und ich merke wieder, wie sehr man…und Frau…jeder… sich selbst im Weg stehen kann…oder eben nicht. Alte Wunden, zerstörerische Verhaltensweisen, niedermachende eingeprägte (Glaubens)-sätze…alles das trägt sicher jeder von uns in sich und sorgt in regelmäßigen Abständen für persönliche Dramen.

Nach der Generalprobe zu unserem neuen Stück hatten wir in der Gemeinde wieder den sog. “Mittelalterkreis”
um Pfarrerin Ruth Koßmann, einer ganz wunderbaren, tiefen Frau, die mit uns auf die Suche nach einem weltlichen Platz für Religiösität im weitesten Sinne geht. Eine der TeilnehmerInnen leitete uns diesmal in einer stillen Meditation von unseren alten Wunden über Heilung hin zur Auferstehung und neuen Schritten.
Ich halte das für eine der wichtigsten Aufgaben des Menschseins…überhaupt des Menschwerdens:

Seinen Verletzungen eine Zeit lang zuhören, sie benennen.. am besten in geschütztem Raum. Und dann: Einen Kuss darauf…einen liebenden…und dann: wieder aufrichten, tief durch atmen und die Welt umarmen!!!
Frei von Schmerz und Angst.

Küsse deine Angst!

Bild von Gustav Klimt bei www.onlinekunst.de

Tanken & entladen lernen

17. September 2009

So viele Erledigungen, Vorbereitungen, Aufgaben. Könnte gerade einen Manager, eine Haushaltshilfe und einen Finanzberater brauchen und hätte trotzdem noch den ganzen Tag zu tun. Es macht Spaß, keine Frage. Requisiten basteln für das aktuelle Bühnenstück, diverse Schreibprojekte, für die noch Werbe- und Pressematerialien erstellt werden müssen, diverse Geschichten warten noch auf ihre Überarbeitung…und…immer da und anwesend…ob zuhause oder nicht…die Kinder mit den großen Freuden und kleinen Sorgen, die sie selber haben oder uns Eltern bereiten…und natürlich ein großer Haushalt.
Ich laufe auf Hochtouren.
Ist schlicht befriedigend & schön, seine…meine Kraft zu spüren. Es entsteht so viel daraus.

Als ich von den Übergriffen am Münchener S-Bahnhof hörte, war das erste, was mir neben der Traurigkeit darüber einfiel eine Art Gebet:
“Ich möchte meine Kraft spüren, und zwar ganz fest…aber bitte, bitte nicht zerstörerisch! Auch meinen Kindern will ich das vorleben. Unsere Lebenskraft gehört eingesetzt für das Gute und Schöne.”

Wer das nicht lernt, gelernt hat, muss genau diese Kraft unweigerlich gegen sich selbst oder andere richten, so wie diese beiden Jugendlichen, die - man könnte bei dem Medienrummel meinen, solche gibt es an jeder Ecke, ich glaube das nicht - an diesem Tag nicht wussten wohin mit so viel Power. Wäre ich mutiger, würde ich Menschen wie sie zu mir holen, mit ihnen intensiv reden und mir dabei hier helfen lassen. Klo putzen, Boden wischen, Rasen mähen, Kindern helfen, Kochen & Co sind eine gute Übung…Demut gegen einerseits Größenwahn und andererseits Mangel an Selbstbewusstsein. Hört sich vielleicht klösterlich an, macht aber zufrieden und müde, wenn es endlich erledigt ist.
Der mutige Familienvater starb weil er seine Kraft für vermeintlich Schwächere eingesetzt hat. Von der Würde, die dieser Mann gezeigt hat, wünsche ich diesen Jugendlichen nur einen kleinen Funken, damit er in ihnen zündet und sie sich künftig andere Kanäle für ihre Entladungen suchen.
Nach einem Tag mit z.B. Tanz, Sport oder körperlicher und sinnhafter Arbeit…hat man sicher keine Lust mehr auf Kloppe.

Apropos tanzen…mal sehen, ob nicht am Wochenende Platz dafür ist…

SINGSING-KUNGA WARRIORS in Papua neuguinea - dort ist noch Platz für Aggression in Ritualen. In unserer Gesellschaft einen Platz dafür zu finden ist die wichtigste Aufgabe.

Bild von Rheinische-Post-online

Bon Voyage!

17. August 2009

Jetzt ist er weg, …und ich bin wieder allein, allein…

Heute Morgen Abschied für zwei Wochen von meinem Mann. Hat immer sein Gutes und Schlechtes…und ich hoffe wie immer, wir beide machen wieder das Beste daraus.

Mon Cher! Falls du dich im Hotelzimmer allzu sehr langweilst…schau mal hier, dem geht es genau so wie dir: Wartet im Hotelzimmer darauf, dass er arbeiten “darf”…und macht Unfug mit seinem Hubschrauber :)

Hoffe, alles läuft wie am Schnürchen bei dir…ich kaufe derweil, wie besprochen, unser Haus und ziehe mit den Kindern um ;)
verfahr dich also nicht <3

Helfen, Fördern & Anerkennen

06. August 2009

Zu meinen Hochs in den letzten Tagen zählt eindeutig die wiederholte Erfahrung, wie schön Lernen ist.
Die anscheinend multibegabte Rea Gorgon, hat mir letzte Woche per Hotline aus Berlin erklärt, wie ich AMELIA, den Newsletter der Autorinnenvereinigung erstelle und versende. Ich hatte mich bereit erklärt, das zu übernehmen. Meine anfängliche Aufregung bezüglich HTML-Codes, verflog ganz schnell und wurde zu reiner Freude.
Sie hatte viel Geduld, die Ruhe weg und auf alle meine Fragen eine Antwort.
Von hier aus einen Riesendank an sie!!!

Amelia Earhart

Bild von Wikipedia

Huren, Trieb & Marktwirtschaft

29. Juli 2009

…ich reg mich auf!!! Schon seit gestern…über männliche Männer rege ich mich auf. Tut mir ja leid, wenn sich das anhört, wie über einen Kamm geschoren und es gibt ja auch - ich weiß das, ich kenne viele - eine Menge wunderbarer, einfach menschlicher Männer und ich liebe sie. Aber manche…uahhhh!!!! Nebenbei bemerkt ist das bei Frauen genau so: es gibt frauliche Frauen und eben einfach menschliche…aber das ist wieder ein anderes Thema.

So, jetzt geht es mir langsam besser. Ausgelöst wird mein Anfall durch Chauvi-Sprüche…eigentlich immer durch solche. Worte haben macht, finde ich, sie können, neben befreiender, bestätigender Wirkung oder einer kommentierenden, interessierenden auch eine verflucht zementierende Wirkung haben. Gebetsähnlich. Mantra. Scheiße!!!

In einem Forum nämlich, das ich eigentlich sehr schätze, könnte ich gerade regelrecht explodieren, weil man(n) und auch manche Frau sich dort gegenseitig weiß machen wollen, das der Beruf der Hure unverzichtbar für das gesellschaftliche Gleichgewicht ist. Ob die Menschen, die in einem solchen Beruf arbeiten, dass nun gut finden oder nicht, sei dahin gestellt und ist sicher individuell begründet. Diese gewollt liberale Haltung aber, dass es ja nun mal Männer gibt, die Sex brauchen und nicht auf übliche Weise bekommen können und es deshalb einer Sexindustrie bedarf, halte ich für ignorant, bequem und …soll ich´s sagen oder nicht…? misogyn…frauenfeindlich. Ich finde eigentlich peinlich, mit solchen Begriffen argumentieren zu müssen, weil ich in einem Land lebe, in dem Emanzipation ja ach soooo groß geschrieben wird. Wir müssen hier schließlich keine Kopftücher tragen um unsere Reize vor (sexual- und aggressions-)triebgebeutelten Männern zu verstecken. Das wäre ja Unterdrückung.

Nein, meine Damen und Herren, in Deutschland ist es den Frauen ganz offiziell und gegen Bezahlung erlaubt, jährlich fünf Millionen Männern die Triebabfuhr kontrolliert zu gewährleisten! Er weiß ja schließlich nicht, wie das geht. Außerdem geht es unseren Huren dabei besser, als den tausenden Frauen und Mädchen, die im Sudan missbraucht (allein dieses Wort…gibt es einen richtigen “Gebrauch” von Frauen, von Menschen?) werden, weil die tötenden Männer ihren Blutrausch mit einer Vergewaltigung ausklingen lassen müssen. “Das ist ein Fetisch, der uns da reitet, wir können da nichts für.” heißt es als Erklärung.

Merkwürdig…wirklich…ich komme mir schon subversiv vor, weil ich gerne einen Putzmann als Haushaltshilfe hätte…und der dürfte sogar angezogen bleiben und müsste sich nur unsere Böden, Fenster und die Wäsche kümmern. Auch wenn mir manchmal…wenn ich mir junge Männer so ansehe…Aber das ist auch wieder ein anderes Thema und außerdem sitzt mein handlungsweisendes Gehirn (wie glücklicherweise bei den meisten Männern & Frauen) zwischen meinen Ohren und nicht im Becken;)

Blasen, Sturm & Stuss

21. Juli 2009

Das Wasser, das Wasser hier in meiner Küche. Das Wasser auf dem Herd. Wartet wieder auf die Hitze, die es zum Kochen bringt, es sprudeln lässt in feinen Perlen. Um und um und um sich selbst herum. Bis eines Tages -ich ahne es - das Sprudeln sich in der Tiefe sammelt. Unter harmlos glatter Fläche.
Sobald jemand den Deckel hebt, erwartungsvoll der Blick, quirlen sich die braven, feinen Blasen, sprudelklein zu einer großen, der Größten, die es je gegeben hat. Mit Macht und Kraft wird sie sich drehen, drückt sich hoch und schießt nach oben. Will sich entladen, wird noch schneller, springt dem ahnungslosen Blick entgegen… mit einem leisen: blupp

Ich danke meiner Ma tausendmal dafür, dass sie mich ans Lesen und Schreiben heran geführt hat. Ohne dieses Ventil müsste ich vor Langeweile manchmal sicher irgend etwas kaputt schlagen…oder so…

Geht doch nix über Sublimierung ;)

Bild aus Forum bei www.dkamera.de

Bild aus Forum bei www.dkamera.de

Leuchtender Sonntag

19. Juli 2009

Trotz Regenwetters war der Sonntag heute ein heller, freundlicher. Hatte die Nacht vorher Tanz und Begegnung und war von daher schon sehr zufrieden…nach fünf Stunden Schlaf und einem schnellen Frühstück ging es mit Mann & Töchtern in Richtung Moers zum Geleucht…einer überdimensionalen Grubenlampe auf der Halde Rheinpreußen, auf der uns vier Stunden gar nicht lang vorkamen. Durch verschlungene und von Heckenrosen und Robinien überdachte Wege, vorbei an Unmengen gelber Wiesenplatterbsen, ging es im strömenden Regen auf den “Gipfel” und Peter, der uns diese Gegend schon lange zeigen wollte, versorgte uns oben mit Wasser, Trockenfrüchten und Keksen. Klasse Aussicht! Am schönsten waren für mich: die fetten, fallenden Regentropfen vor dem Hintergrund des roten Turmes, die Wolkenschatten, die über die Landschaft zogen…und die Baumspiegelungen im See. Noch ein Tipp für den Absstieg: die Strecke für die Mountainbiker benutzen…das macht besonders nach Regen viel Spaß;)
Der Tag tat gut…aber jetzt freue ich mich, dass ich schlafen gehen kann…Gute Nacht!

Gelb - bei Lüscher die Farbe für das Selbstgefühl der inneren Freiheit

Bild von Wikipedia

Meine Sucht!

18. Juli 2009

Danceorphin

Den schweren Kopf
schon fast bei Nacht
zum Tanztempel getragen.
Die Jacke gegen Marke aufgehängt.
Der Typ mit Rock hinter der Theke
kennt mich schon und streicht das nächste
stille Wasser auf meiner Karte ab.
Bin süchtig.
Bekannte Bässe locken mich in meine Lieblingsarea
und ich bin sicher, es wird dauern,
genüsslich, bis ich fertig bin.
Endlich, ich bewege mich,
langsam fang ich an
und werde bald,
mit jedem Tanz,
zum geilen Stück Musik,
löse ihn fast auf - den Kopf -
in Rhythmus, Bass und höchsten Tönen.

Fremde Küsse spüre ich.
Sie tropfen ab mit meinem Schweiß
und zischen mit dem heißen Licht,
das aus mir spritzt, in wirren Kringeln
in den Raum. Mein Kopf ist weg.
Nur noch mein Leib, fahr ich nachhause,
zugedröhnt mit Danceorphin.

Für meinen Mann das Salz.

auf in Grotte und Rittersaal!! Freue mich schon!

auf in Grotte und Rittersaal!! Freue mich schon!

Stefanie Jerz