My Baby is back!
Früher dachte ich, dass Anthologie-Wettbewerbe ein gutes Vehikel sind, um als angehender Autor, die ersten Schritte in Richtung Veröffentlichung zu tun.
So nahm ich an einem solchen Teil und freute mich, von einem - wenn auch klitzekleinen Verlag - auf Anhieb veröffentlicht zu werden.
Wer braucht schon BoD! Ich nicht. Und da war ich auch sehr auf der Hut. Man hörte und las in einschlägigen Foren ja viel darüber und war gewarnt.
Dass es aber noch mehr und noch raffiniertere Wölfe im Schafspelz gibt, weiß ich erst jetzt:
Und ich freu mich gar nicht. Schon ein merkwürdiges Gefühl: Ich bekomme dieser Tage eine Nachricht des Verlages, der 2007 meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht hat. Er teilt mir darin mit, dass mir die Nutzungsrechte an meiner Story zurück übertragen werden. Die nämlich mussten alle “Gewinner” einer Anthologie-Ausschreibung per anschließendem Autorenvertrag dem Verlag überlassen. Fand ich auch nicht weiter unseriös.
Stutzig machte mich schon, dass jedem der auserkorenen Autoren ein vierzigprozentiger Rabatt für das anschließend produzierte Buch zugestanden wurde. Aber ich ahnte noch nicht wirklich warum. Der Vertrag hielt ansonsten meiner Prüfung stand (er versprach umfassende Bewerbung, Materialbereitstellung für Lesungen, anteilmäßigen, zehnprozentigen Verdienst an den Einnahmen…) und ich ließ mich darauf ein.
Erst als das Belegexemplar bei mir ankam, war mir alles klar: Ich hielt das am schäbigsten entworfene und am billigsten produzierte Taschenbuch in Händen, das ich je gesehen habe. Der Satz war im wahrsten Sinne des Wortes flatterhaft. Das Layout weder ausgefallen noch technisch korrekt. Das Papier billig und das ganze Buch war nicht einmal richtig zurecht geschnitten. Wirkte insgesamt wie eine “Zuhause-bei-Nacht-und-Nebel-Produktion”. Als ich den Preis auf der Rückseite sah fiel ich beinahe um: 14,95 Euro sollte dieses …Teil kosten?
Rein inhaltlich mag es sich lohnen. Es sind wirklich schöne und sogar literarisch hochwertige Geschichten dabei. Aber ich hätte das Buch im Laden niemals gekauft. Niemals!!!
Es folgte eine strenge Mail meinerseits an die Verantwortliche, in der ich Fragen stellte, wie sie denn so eine Produktion bewerben wolle? Und wie ich guten Gewissens selber Werbung dafür machen solle? Und die Forderung, das Buch gefälligst preiswerter zu verkaufen.
Klar freute ich mich, mein Baby, meine eigene Geschichte, gedruckt zu sehen. Aber so? Nein! Im Gegenteil: Es war mir peinlich. Zutiefst peinlich. So als würde ich meine eigenen Kinder in Lumpen zur Einschulung gehen lassen müssen.
Ich erhielt bis heute keine Antwort auf mein Schreiben. Auch Anfragen über die Höhe der Auflage blieben unbeantwortet. Bis vor einigen Tagen die “Abrechnung” kam. Mein Verdienst an meinem Beitrag beläuft sich auf ironische 3,19 Euro. Ein Witz über den ich gar nicht lachen kann. Es beruhigt mich zu wissen, dass der “Verlag” sich jetzt nicht daran dusselig verdient hat, aber ich gönne ihm keinen müden Euro.
Ein paar Hunderte Reingewinn wird er sich eingestrichen haben. Meine Geschichte - und die weiterer 28 Teilnehmer - haben sie geschluckt, verdaut und wieder ausgespien.
So etwas passiert mir nicht mehr.
Tags: Literaturbetrieb, Schreiben