das Wichtige, das Wesentliche & das Mögliche
Zum Muttertag habe ich vor Wochen, in Kunststein gemeisselt, einen provozierenden Satz gefunden. Kann nichts dazu; er stand einfach da, neben einem Engelsflügel:
“Mütter sind Engel im Training”
Kitschig sah das aus. Ich blieb trotzdem daran hängen. Geradezu trotzig blieb ich an dem Satz hängen. Mutter=Engel. Dieses Bild der aufopfernden Mutter mochte ich ja noch nie und meine Familie…vielleicht nur sie…weiß, dass ich mich dagegen wehre. Ich blieb auch nicht an dem Wort Engel kleben sondern am Wort Training. Es macht diesen “Mutterengel” wohltuend menschlich, bricht ihn herunter auf das Alltägliche, auf das ewige Hadern, Zweifeln, ob frau auch ja alles richtig macht, auf die Unruhe, ob auch alles gewürdigt ist, was sie den ganzen Tag für ihre Kleinen tut. In diesem Satz sind Lücken spürbar und die tun gut. Mir jedenfalls: Ich muss nicht perfekt sein, mich nicht ständig hinterfragen, warum ich diese Haltung oder jene einnehme. Ich trainiere ja! Ich lerne! Ich darf also Fehler machen. So wie jeder Mensch.
Es bedeutet aber auch: Fleißig üben, Disziplin haben, das Wichtige vom Wesentlichen unterscheiden lernen und beidem Achtung schenken. Menschen sind Engel im Training. Mütter und Väter sind Trainer für ihre Kinder, ohne selbst bereits fertig ausgebildet zu sein. Mir das bewusst zu machen beruhigt mich.
Ich habe seit frühester Jugend eine immer mal wieder schmerzende Stelle auf der Rückseite meines Herzens. Wer weiß…vielleicht…wenn ich noch ganz lange übe…dann wächst dort…ganz winzig… ein erster Flügel?
