Archiv für die Kategorie ‘Blog-Archiv’

Neid, Gunst & Verbundenheit

Montag, 01. Juni 2009

Ach ja…da hätte ich doch soooo gerne den MDR-Literaturpreis 2009 gewonnen.
Dieser war mein zweiter Versuch und natürlich war mein Text noch nicht so weit.
Weiß ja, ich muss noch viel lernen.
Zudem ist der Termin für die Auswahl, welche Geschichten in die Anthologie aufgenommen werden, vorüber, ohne dass ich Nachricht bekommen habe…also hat es dazu auch nicht gereicht.
Dabei passt meine Idee so schön zum Thema “Risse im Beton”. *schnüff*

Es hat halt noch nicht sollen sein. Entmutigen lasse ich mich nicht wirklich und die diesjährige Gewinnerin Katharina Hartwell ist so unglaublich sympathisch, dass ich ihr den Erfolg einfach gönnen muss.
Auf die Frage woran sie glaubt, antwortet sie: “An die Kunst.”
Das kann ich unterschreiben…blind vor Liebe für alles, was Menschen im Guten aus sich heraus bringen können. Damit meine ich teuer dotierte Kunst genau so, wie die leckere Torte meiner Mutter, die selbst geflochtenen Steinschleudern und dazu passend genähte Taschen meines Mannes, die wunderschöne Musik unserer Freunde, die Basteleien unserer Kinder oder eben meine Geschichten.
Selbst die kleinste Kleinkunst hat katalytische Wirkung… für die Erschaffer genau so wie für die Zuschauer. Sie verwandelt jeden der an ihr teil hat und sich über sie ausdrückt. Sie verursacht und beschleunigt zugleich die eigene Entwicklung.
Also mache ich weiter: wirke in meinem Garten, in der Küche, am Notebook. Alles Kunst? JA!

Bild bei www.mdr.de

Bild bei www.mdr.de

krank & autonom - gesund & frei?

Freitag, 22. Mai 2009

Schlingensief…den Namen hat man ja immer mal wieder gehört. Nun wird seine Stimme immer besser hörbar für mich. Seine “Kirche der Angst vor dem Fremden in mir” hatten wir erst kürzlich hier vor der Tür im Landschaftspark und ich könnte mir in den Hintern beißen, dass ich sie verpasst habe. Nun gibt es noch sein Buch über das, was die Krebserkrankung mit und aus ihm gemacht hat. Bin gespannt darauf…auch auf sein Forum.
Wünsche fast, dass Herrn Schlingensiefs Arbeit mainstreamisiert. Von mir aus soll die Bild und die Gala täglich über ihn berichten, damit auch jedem Döspaddel, der noch schläft mal ein bissel Sand in die Augen gerät, er sie sich reibt, ein paar Tränen heraus lässt und danach klarer sieht.

Dem Authentiker himself wünsche ich von hier aus gute Besserung und hoffe, dass er sich auch einmal ein wenig hängen lässt.

das Wichtige, das Wesentliche & das Mögliche

Montag, 11. Mai 2009

Zum Muttertag habe ich vor Wochen, in Kunststein gemeisselt, einen provozierenden Satz gefunden. Kann nichts dazu; er stand einfach da, neben einem Engelsflügel:
“Mütter sind Engel im Training”
Kitschig sah das aus. Ich blieb trotzdem daran hängen. Geradezu trotzig blieb ich an dem Satz hängen. Mutter=Engel. Dieses Bild der aufopfernden Mutter mochte ich ja noch nie und meine Familie…vielleicht nur sie…weiß, dass ich mich dagegen wehre. Ich blieb auch nicht an dem Wort Engel kleben sondern am Wort Training. Es macht diesen “Mutterengel” wohltuend menschlich, bricht ihn herunter auf das Alltägliche, auf das ewige Hadern, Zweifeln, ob frau auch ja alles richtig macht, auf die Unruhe, ob auch alles gewürdigt ist, was sie den ganzen Tag für ihre Kleinen tut. In diesem Satz sind Lücken spürbar und die tun gut. Mir jedenfalls: Ich muss nicht perfekt sein, mich nicht ständig hinterfragen, warum ich diese Haltung oder jene einnehme. Ich trainiere ja! Ich lerne! Ich darf also Fehler machen. So wie jeder Mensch.
Es bedeutet aber auch: Fleißig üben, Disziplin haben, das Wichtige vom Wesentlichen unterscheiden lernen und beidem Achtung schenken. Menschen sind Engel im Training. Mütter und Väter sind Trainer für ihre Kinder, ohne selbst bereits fertig ausgebildet zu sein. Mir das bewusst zu machen beruhigt mich.
Ich habe seit frühester Jugend eine immer mal wieder schmerzende Stelle auf der Rückseite meines Herzens. Wer weiß…vielleicht…wenn ich noch ganz lange übe…dann wächst dort…ganz winzig… ein erster Flügel?

Bild von www.eva-maria-jentsch.de

Bild von www.eva-maria-jensch.de

Aggression, Tanz & Musik

Mittwoch, 01. April 2009

Vor vielen Jahren schrieb ich einer Freundin einen Brief, der ich eine CD mit meiner Lieblingsmusik schenken wollte. Darin ermutigte ich sie, eine wunderschöne, eher sphärische, zarte Person dazu, sich diese Musik anzuhören…laut…lauter…und öfter…damit sie darauf tanzt oder besser stampft…und wieder den Boden der Tatsachen unter ihren Porzellanfüßen spürt. Ich schrieb ihr von der wilden Katze, der sie damit gestattet, sich in ihr breit zu machen, damit sie sich austobt, verausgabt, um sich dann schnurrend, zum Schlaf, wieder in ihr zusammen zu rollen.
Habe heraus gefunden, dass genau diese Musik für mich richtig ist, um im Tanz meine Aggressionen abzubauen.
Heute morgen in der Zahnklinik hatte ich Zeit, minutenlang die Panoramaaufnahme meiner Zähne anzusehen: Zu dem, nun aufnahmetechnisch breitgewalzten Kiefer, waren auch meine Nasen- und Augenhöhlen zu sehen und ich hatte das Gefühl, eine Fratze, mein inneres Biest, starrt mich an. Cool! Ich saß völlig fasziniert davor und führte verstohlen einen inneren Dialog mit ihr. Auf meine Frage: Tier, was brauchst du? kam ganz klar: “Bewegung brauche ich!… Und lass deinen Kopf mal Pause machen!…lebe, liebe, lache und arbeite, dann kann ich meine Zähne behalten und halte mich zurück. Wenn es brenzlig wird bei euerm Menschsein und nur in wirklichen Notfällen fauche ich, beisse ich und helfe dir.”

Ich gehorche und tanze…denn einen toten Zahn habe ich schon.

Beißhemmung vs. Zivilisation

Reißzähne brauchen wir nicht mehr

Windbeutel, Kulturverkauf & Markendehnung

Freitag, 20. März 2009

Heute ist bei mir wohl Markttag. Nicht einer, an und bei dem ich gerne (leider zu selten )unser Obst und Gemüse kaufe, damit unser tägliches Essen regional, frisch und möglichst frei von Schad- und Zusatzstoffen ist sondern einer an dem ich interessante Markt-Meldungen erhalten habe:

Erst bekomme ich unvermittelt eine Einladung auf den Kunstflur, eine Vermarktungs-Seite für Kunst- und Kulturschaffende. Das stürzte mich sofort wieder in das noch zu lösende Dilemma, wieviel Geldverdienen mit Kreativität möglich, nötig, vereinbar und vertretbar ist.

Danach erhalte ich per Foodwatch-Newsletter die Meldung, dass Actimel nun endlich den goldenen Windbeutel für die beste Werbelüge erhalten hat. Verbraucher verleihen den Preis und mir fallen gleich unzählige weitere (Kunst)prokukte ein, die ich nominieren kann. Abgesehen davon habe ich heute wieder viel über Werbestrategie gelernt.

Leute passt alle auf euren Geldbeutel auf. Wenn ich mit meiner Werbemasche fertig bin, zieh ich euch die Euros nur so aus der Tasche, damit ihr in den produktorientierten Genuss meiner völlig zweifelgesättigten, kalorienkonsumerschwerenden und ettikettenschwindelerregenden Kunstprodukte kommt.

Das Bedürfnis dafür werde ich euch schon noch aufschwatzen *diabolisch grins*
Markendehnung nennt man das.

Der Film zur Werbekunst

Bild von www.focusonfrenchcinema.com

My Baby is back!

Donnerstag, 12. März 2009

Früher dachte ich, dass Anthologie-Wettbewerbe ein gutes Vehikel sind, um als angehender Autor, die ersten Schritte in Richtung Veröffentlichung zu tun.
So nahm ich an einem solchen Teil und freute mich, von einem - wenn auch klitzekleinen Verlag - auf Anhieb veröffentlicht zu werden.
Wer braucht schon BoD! Ich nicht. Und da war ich auch sehr auf der Hut. Man hörte und las in einschlägigen Foren ja viel darüber und war gewarnt.
Dass es aber noch mehr und noch raffiniertere Wölfe im Schafspelz gibt, weiß ich erst jetzt:

Und ich freu mich gar nicht. Schon ein merkwürdiges Gefühl: Ich bekomme dieser Tage eine Nachricht des Verlages, der 2007 meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht hat. Er teilt mir darin mit, dass mir die Nutzungsrechte an meiner Story zurück übertragen werden. Die nämlich mussten alle “Gewinner” einer Anthologie-Ausschreibung per anschließendem Autorenvertrag dem Verlag überlassen. Fand ich auch nicht weiter unseriös.

Stutzig machte mich schon, dass jedem der auserkorenen Autoren ein vierzigprozentiger Rabatt für das anschließend produzierte Buch zugestanden wurde. Aber ich ahnte noch nicht wirklich warum. Der Vertrag hielt ansonsten meiner Prüfung stand (er versprach umfassende Bewerbung, Materialbereitstellung für Lesungen, anteilmäßigen, zehnprozentigen Verdienst an den Einnahmen…) und ich ließ mich darauf ein.
Erst als das Belegexemplar bei mir ankam, war mir alles klar: Ich hielt das am schäbigsten entworfene und am billigsten produzierte Taschenbuch in Händen, das ich je gesehen habe. Der Satz war im wahrsten Sinne des Wortes flatterhaft. Das Layout weder ausgefallen noch technisch korrekt. Das Papier billig und das ganze Buch war nicht einmal richtig zurecht geschnitten. Wirkte insgesamt wie eine “Zuhause-bei-Nacht-und-Nebel-Produktion”. Als ich den Preis auf der Rückseite sah fiel ich beinahe um: 14,95 Euro sollte dieses …Teil kosten?
Rein inhaltlich mag es sich lohnen. Es sind wirklich schöne und sogar literarisch hochwertige Geschichten dabei. Aber ich hätte das Buch im Laden niemals gekauft. Niemals!!!

Es folgte eine strenge Mail meinerseits an die Verantwortliche, in der ich Fragen stellte, wie sie denn so eine Produktion bewerben wolle? Und wie ich guten Gewissens selber Werbung dafür machen solle? Und die Forderung, das Buch gefälligst preiswerter zu verkaufen.
Klar freute ich mich, mein Baby, meine eigene Geschichte, gedruckt zu sehen. Aber so? Nein! Im Gegenteil: Es war mir peinlich. Zutiefst peinlich. So als würde ich meine eigenen Kinder in Lumpen zur Einschulung gehen lassen müssen.
Ich erhielt bis heute keine Antwort auf mein Schreiben. Auch Anfragen über die Höhe der Auflage blieben unbeantwortet. Bis vor einigen Tagen die “Abrechnung” kam. Mein Verdienst an meinem Beitrag beläuft sich auf ironische 3,19 Euro. Ein Witz über den ich gar nicht lachen kann. Es beruhigt mich zu wissen, dass der “Verlag” sich jetzt nicht daran dusselig verdient hat, aber ich gönne ihm keinen müden Euro.
Ein paar Hunderte Reingewinn wird er sich eingestrichen haben. Meine Geschichte - und die weiterer 28 Teilnehmer - haben sie geschluckt, verdaut und wieder ausgespien.
So etwas passiert mir nicht mehr.

es lebe die Vielfalt!

Sonntag, 08. März 2009

Endlich habe ich mit meinem Mann Donnie Darko angesehen. Den wollte er mir schon lange zeigen.
Genialer Film ! Er hinterließ mir ein solches Neuronengewitter, dass ich meinen Mann mit meinen Rückschlüssen auf den Film nur so beballert habe. Der Arme, er war er so müde und ich konnte kaum aufhören zu referieren. Und dabei habe ich gestern lediglich die Struktur des Filmes, den Aufbau geschnallt. Den Film inhaltlich zu interpretieren, dauert da noch. So viele Bedeutungsebenen lassen zu, das der Betrachter des Films freie Wahl aus vielen Möglichkeiten zu haben scheint. Das macht einen Film wahrscheinlich universell: Anwendbarkeit. Ich liebe so etwas…wird mich noch länger beschäftigen.
Dass in diesem Kunstwerk nebenbei mein Lieblingsfilm einen “Cameo-Auftritt” hat, hat mich nicht nur gefreut, sondern auch auf die richtige Spur zum Verständnis des Films gebracht…was für ein Vergnügen!

Bild von Pandorra

Bild von Pandorra

Kopf, Zahl oder doch lieber Herz?

Dienstag, 03. März 2009

Lyrisch geht mir gerade ein wenig die Puste aus…was den Blog angeht ebenfalls…aber so viele andere Sachen sind interessant.
Unser neues Stück wächst und wächst…und nimmt meine Kollegafreundin und mich ganz schön in Anspruch. Außerdem fordern gerade die anderen Schubladenleichen ihr Recht und wollen - wenn auch nur ganz zaghaft - wieder an die noch zögerliche Frühlingssonne. Will heißen: hab diverse alte Texte ein zigstes Mal überarbeitet und eingeschickt. Und die Workshops, mit denen ich gerne ein wenig unser Konto aufpolstern würde muss ich weiter unter die Leute bringen.
Merkwürdig, wie ich meinem Erfolg manchmal selbst im Wege stehe, weil ich nicht komplett und mit all meiner Kraft dort einsteige.

Es ist…wie so oft und schon Klischee - die Liebe, die davon abhält…das Nest zu hause scheint doch immer das beste zu sein…so oft ich auch manchmal selbst hinein sch…
Wieviel Hausarbeit verträgt eine Schriftstellerin eigentlich?

öffentliche Frau vs. private

Bild www.kresin.de

Welche Kräfte braucht ein Land?

Sonntag, 01. Februar 2009

Ich finde immer wieder: Die der Künste!!! Der gute Beuys hatte da schon recht, dass es auf jeden einzelnen ankommt. Ich komme doch aus Düsseldorf und muss irgendwie seinen “Dunst” eingesogen haben…ich weiß auch wo…erinnere mich jetzt…es war in unserem Wohnhochhaus, zwei Etagen über uns…in einer Familie, die ganz besonders war für mich…künstlerisch, ausdrucksstark, sich selbst bewusst und phantasievoll. Wie ich ohne die Verbindung zu diesen Menschen geworden wäre will ich gar nicht wissen…sie haben mich auf den Weg gebracht, die Dinge zu hinterfragen und was zu tun, wenn ich was verändert haben will. Ich danke von hier aus Bibi, Steffi und ganz besonders Heike…

Noch ein Mensch, der mich zur Zeit sehr beeindruckt ist dieser hier. Noch gibt er seine Stimme einem nur kleinen Teil der Menschen in seinem Land…aber es werden mehr…er braucht Multiplikatoren…sagt´s weiter…Aus der Kunst wächst gute Kraft…immer…oder weiß jemand einen Gegenbeweis?

Shalom!

Wonach klingen unsere Stimmen?

Bild: FAZ

Aus einer Mücke einen Elefanten machen…

Freitag, 30. Januar 2009

…aber in durchweg positivem Sinne, im Sinne von Wachstum, das ist uns gelungen.
Das Seniorentheater-Projekt “Auf die Beine stellen” geht stetig seinen Weg. Hoch motiviert haben wir gestern eine weitere Aufführung unseres zweiten Stückes hinter uns gebracht. Wie wunderbar ein Projekt doch funktionieren kann, wenn alle die beteiligt sind an einem Strang ziehen, sich in den Dienst der Sache stellen und sich von ihrer starken und freundlichen Seite zeigen, durften wir in den letzten Tagen erleben. Vom Ensemble, meiner lieben Kollegin und Freundin über den Schulhausmeister und den Gemeinde-Zivi bis hin zum coolen Super-Küster war unser Arbeiten ein einziges Hand-in-Hand und eine große Freude. Und wieder einmal bin ich bestärkt darin, dass sich Individualität nicht durch Ellenbogen, Ecken und Kanten zeigt, sondern durch die Fähigkeit, sich positiv einzubringen. Ich fand´s einfach nur wundervoll und bin noch ganz beseelt davon. Und aus den wenigen, kleinen Fehlern wird einfach nur für das nächste Mal gelernt…ohne Gram…

Ein glückliches Ensemble

Fotos Andreas Boos

Stefanie Jerz