Archiv für die Kategorie ‘das Leben’

Her mit dem Genus(s)!

Dienstag, 10. November 2009

Leider heute immer noch kein neuer Blogeintrag. Bin beschäftigt. Nämlich damit, geschriebenes unter die Leute oder an den Mann zu bringen. Wieso gibt es dazu eigentlich kein weibliches Pendant mit passender Präposition?
Schließlich stellt der weibliche Bevölkerungsanteil das Gros an buchkaufenden Lesern.
Mal sehen…soll ja kein Abklatsch des Unbestimmten oder Maskulinums von oben werden…
Wie wäre es mit in die Frau? Das klingt zu chirurgisch…durch die Frau? Nein, das penetriert ja noch mehr…merkwürdig…fällt mir nix anderes ein?

..drei Stunden später:
Nach eingehenden Versuchen mit auf die Frau, über die Frau, an, zwischen, unweit der Frau oder längs ihrer, habe ich mich für ein klares und eindeutiges jenseits der Frau entschieden. Warum?
Weil ich mehr bin, weil wir alle mehr sind als Mann, Frau oder Neutrum.

www.last.fm

Wieviel Drama braucht ein Mensch?

Donnerstag, 01. Oktober 2009

Jetzt, nach der Aufführung unserer Komödie, ist wieder ein wenig Stille eingekehrt und ich merke wieder, wie sehr man…und Frau…jeder… sich selbst im Weg stehen kann…oder eben nicht. Alte Wunden, zerstörerische Verhaltensweisen, niedermachende eingeprägte (Glaubens)-sätze…alles das trägt sicher jeder von uns in sich und sorgt in regelmäßigen Abständen für persönliche Dramen.

Nach der Generalprobe zu unserem neuen Stück hatten wir in der Gemeinde wieder den sog. “Mittelalterkreis”
um Pfarrerin Ruth Koßmann, einer ganz wunderbaren, tiefen Frau, die mit uns auf die Suche nach einem weltlichen Platz für Religiösität im weitesten Sinne geht. Eine der TeilnehmerInnen leitete uns diesmal in einer stillen Meditation von unseren alten Wunden über Heilung hin zur Auferstehung und neuen Schritten.
Ich halte das für eine der wichtigsten Aufgaben des Menschseins…überhaupt des Menschwerdens:

Seinen Verletzungen eine Zeit lang zuhören, sie benennen.. am besten in geschütztem Raum. Und dann: Einen Kuss darauf…einen liebenden…und dann: wieder aufrichten, tief durch atmen und die Welt umarmen!!!
Frei von Schmerz und Angst.

Küsse deine Angst!

Bild von Gustav Klimt bei www.onlinekunst.de

Tanken & entladen lernen

Donnerstag, 17. September 2009

So viele Erledigungen, Vorbereitungen, Aufgaben. Könnte gerade einen Manager, eine Haushaltshilfe und einen Finanzberater brauchen und hätte trotzdem noch den ganzen Tag zu tun. Es macht Spaß, keine Frage. Requisiten basteln für das aktuelle Bühnenstück, diverse Schreibprojekte, für die noch Werbe- und Pressematerialien erstellt werden müssen, diverse Geschichten warten noch auf ihre Überarbeitung…und…immer da und anwesend…ob zuhause oder nicht…die Kinder mit den großen Freuden und kleinen Sorgen, die sie selber haben oder uns Eltern bereiten…und natürlich ein großer Haushalt.
Ich laufe auf Hochtouren.
Ist schlicht befriedigend & schön, seine…meine Kraft zu spüren. Es entsteht so viel daraus.

Als ich von den Übergriffen am Münchener S-Bahnhof hörte, war das erste, was mir neben der Traurigkeit darüber einfiel eine Art Gebet:
“Ich möchte meine Kraft spüren, und zwar ganz fest…aber bitte, bitte nicht zerstörerisch! Auch meinen Kindern will ich das vorleben. Unsere Lebenskraft gehört eingesetzt für das Gute und Schöne.”

Wer das nicht lernt, gelernt hat, muss genau diese Kraft unweigerlich gegen sich selbst oder andere richten, so wie diese beiden Jugendlichen, die - man könnte bei dem Medienrummel meinen, solche gibt es an jeder Ecke, ich glaube das nicht - an diesem Tag nicht wussten wohin mit so viel Power. Wäre ich mutiger, würde ich Menschen wie sie zu mir holen, mit ihnen intensiv reden und mir dabei hier helfen lassen. Klo putzen, Boden wischen, Rasen mähen, Kindern helfen, Kochen & Co sind eine gute Übung…Demut gegen einerseits Größenwahn und andererseits Mangel an Selbstbewusstsein. Hört sich vielleicht klösterlich an, macht aber zufrieden und müde, wenn es endlich erledigt ist.
Der mutige Familienvater starb weil er seine Kraft für vermeintlich Schwächere eingesetzt hat. Von der Würde, die dieser Mann gezeigt hat, wünsche ich diesen Jugendlichen nur einen kleinen Funken, damit er in ihnen zündet und sie sich künftig andere Kanäle für ihre Entladungen suchen.
Nach einem Tag mit z.B. Tanz, Sport oder körperlicher und sinnhafter Arbeit…hat man sicher keine Lust mehr auf Kloppe.

Apropos tanzen…mal sehen, ob nicht am Wochenende Platz dafür ist…

SINGSING-KUNGA WARRIORS in Papua neuguinea - dort ist noch Platz für Aggression in Ritualen. In unserer Gesellschaft einen Platz dafür zu finden ist die wichtigste Aufgabe.

Bild von Rheinische-Post-online

Bon Voyage!

Montag, 17. August 2009

Jetzt ist er weg, …und ich bin wieder allein, allein…

Heute Morgen Abschied für zwei Wochen von meinem Mann. Hat immer sein Gutes und Schlechtes…und ich hoffe wie immer, wir beide machen wieder das Beste daraus.

Mon Cher! Falls du dich im Hotelzimmer allzu sehr langweilst…schau mal hier, dem geht es genau so wie dir: Wartet im Hotelzimmer darauf, dass er arbeiten “darf”…und macht Unfug mit seinem Hubschrauber :)

Hoffe, alles läuft wie am Schnürchen bei dir…ich kaufe derweil, wie besprochen, unser Haus und ziehe mit den Kindern um ;)
verfahr dich also nicht <3

Blasen, Sturm & Stuss

Dienstag, 21. Juli 2009

Das Wasser, das Wasser hier in meiner Küche. Das Wasser auf dem Herd. Wartet wieder auf die Hitze, die es zum Kochen bringt, es sprudeln lässt in feinen Perlen. Um und um und um sich selbst herum. Bis eines Tages -ich ahne es - das Sprudeln sich in der Tiefe sammelt. Unter harmlos glatter Fläche.
Sobald jemand den Deckel hebt, erwartungsvoll der Blick, quirlen sich die braven, feinen Blasen, sprudelklein zu einer großen, der Größten, die es je gegeben hat. Mit Macht und Kraft wird sie sich drehen, drückt sich hoch und schießt nach oben. Will sich entladen, wird noch schneller, springt dem ahnungslosen Blick entgegen… mit einem leisen: blupp

Ich danke meiner Ma tausendmal dafür, dass sie mich ans Lesen und Schreiben heran geführt hat. Ohne dieses Ventil müsste ich vor Langeweile manchmal sicher irgend etwas kaputt schlagen…oder so…

Geht doch nix über Sublimierung ;)

Bild aus Forum bei www.dkamera.de

Bild aus Forum bei www.dkamera.de

Leuchtender Sonntag

Sonntag, 19. Juli 2009

Trotz Regenwetters war der Sonntag heute ein heller, freundlicher. Hatte die Nacht vorher Tanz und Begegnung und war von daher schon sehr zufrieden…nach fünf Stunden Schlaf und einem schnellen Frühstück ging es mit Mann & Töchtern in Richtung Moers zum Geleucht…einer überdimensionalen Grubenlampe auf der Halde Rheinpreußen, auf der uns vier Stunden gar nicht lang vorkamen. Durch verschlungene und von Heckenrosen und Robinien überdachte Wege, vorbei an Unmengen gelber Wiesenplatterbsen, ging es im strömenden Regen auf den “Gipfel” und Peter, der uns diese Gegend schon lange zeigen wollte, versorgte uns oben mit Wasser, Trockenfrüchten und Keksen. Klasse Aussicht! Am schönsten waren für mich: die fetten, fallenden Regentropfen vor dem Hintergrund des roten Turmes, die Wolkenschatten, die über die Landschaft zogen…und die Baumspiegelungen im See. Noch ein Tipp für den Absstieg: die Strecke für die Mountainbiker benutzen…das macht besonders nach Regen viel Spaß;)
Der Tag tat gut…aber jetzt freue ich mich, dass ich schlafen gehen kann…Gute Nacht!

Gelb - bei Lüscher die Farbe für das Selbstgefühl der inneren Freiheit

Bild von Wikipedia

Meine Sucht!

Samstag, 18. Juli 2009

Danceorphin

Den schweren Kopf
schon fast bei Nacht
zum Tanztempel getragen.
Die Jacke gegen Marke aufgehängt.
Der Typ mit Rock hinter der Theke
kennt mich schon und streicht das nächste
stille Wasser auf meiner Karte ab.
Bin süchtig.
Bekannte Bässe locken mich in meine Lieblingsarea
und ich bin sicher, es wird dauern,
genüsslich, bis ich fertig bin.
Endlich, ich bewege mich,
langsam fang ich an
und werde bald,
mit jedem Tanz,
zum geilen Stück Musik,
löse ihn fast auf - den Kopf -
in Rhythmus, Bass und höchsten Tönen.

Fremde Küsse spüre ich.
Sie tropfen ab mit meinem Schweiß
und zischen mit dem heißen Licht,
das aus mir spritzt, in wirren Kringeln
in den Raum. Mein Kopf ist weg.
Nur noch mein Leib, fahr ich nachhause,
zugedröhnt mit Danceorphin.

Für meinen Mann das Salz.

auf in Grotte und Rittersaal!! Freue mich schon!

auf in Grotte und Rittersaal!! Freue mich schon!

Frust, Lust & alles dazwischen

Dienstag, 07. Juli 2009

Seit vier Tagen bin ich “unpässlich”…im wahrsten Sinne des Wortes…mir passt überhaupt nichts. Mein Körper produziert mal wieder diverse Zipperlein…Menschen um mich herum provozieren mich ständig (so meine ich…muss gar nicht mal stimmen) und die Arbeit, die ich zu tun habe kann mich auch mal…
Warum ist das so? Wenn ich mir diese Frage stelle, bin ich schon wieder auf dem Wege der Besserung.
Heute früh dann die Erleuchtung: Musste bei meinen “Flugversuchen” wiederholt eine Schlappe einstecken (Leute, die hier öfter lesen, wissen, dass ich mit dem “Fliegen” alles meine, was das Erheben über den schnöden Alltag angeht und sie wissen auch, wie wichtig ich das nehme). Meiner Trauer darüber habe ich gar nicht zugehört, aus Angst, dass ich entmutigt werde. Jetzt erst traute ich mich, ganz hin zuhören und zu fühlen.
Da dachte ich dann auch wieder an einen Cartoon von Marunde der mich ganz tief berührte und der deshalb an meinem Kühlschrank hängt:
Eine Taube auf dem Zaun fragt: “Du willst mit mir Schluss machen? Warum? Wir lieben uns doch.”
Darauf der am Boden hockende Hahn: “Ich kann dir einfach niemals verzeihen, dass ich nicht fliegen kann.”

Das sagt eigentlich alles: Mensch, sieh zu, dass du zufrieden bist mit dir.
Fühle mich schon viel befreiter jetzt und freue mich mal wieder, dass ich mit diesem Blog meine Gedanken ins Nichts pusten kann. Falls es dann jemand liest und darüber kommunizieren mag…um so besser…

Jetzt mache ich erst mal Pfannkuchen für alle und kann gerade wieder klar erkennen, dass ich froh bin, einen Alltag zu haben, der nicht geschüttelt wird von Katastrophen, Krankheit oder sonst was. Eigentlich eine ganz banale Einsicht…ab und zu nur nicht abrufbar.

Start, Flug & Landung

Samstag, 13. Juni 2009

Von einem lieben Freund erhielt ich dieser Tage einen Brief.
Er handelte, beinahe spiegelverkehrt, von meinem eigenen Leben…
Während ich mich, mitten aus dem erdigen Chaos eines fünfköpfigen Haushalts, jedes mal regelrecht heraus katapultieren muss, um einen kurzen Kreativ-Ausflug zu meinen Geschichten zu riskieren, müssen er und seine Frau - beide bewundernswert kreative und künstlerische Menschen - vielleicht genau diesen Sog nach “unten”…ins pralle Leben… wieder für sich entdecken…um aus künstlerischen Höhenflügen wieder zurück kehren zu können. Uns beiden gemeinsam scheint das Fehlen von Balance in dieser Hinsicht zu sein. Jedenfalls war das mein Eindruck.
“Den Kopf im Himmel haben und die Füße in der Erde”, so sollte es sein.
Wie schön finde ich diesen Austausch darüber.
So schön und wichtig, dass ich - gemeinsam mit meinem Mann - plane, erst einmal in unserer Küche, regelmäßig einen Kreativen-Stammtisch einzurichten, bei dem wir alle gemeinsam fliegen und uns gegenseitig wieder erden können. Musik, Lesungen, Handarbeiten, Fotografien, Malereien…der Austausch darüber, das Präsentieren unserer persönlichen Höhenflüge und das gemeinsame Fliegen & Landen…darum soll es gehen…wird spannend.
Im Sommer geht´s los. Seht zwischendurch mal auf meine Projekte-Seite!

sphärisch und erdig...diese Frau ist Schauspielerin und Pferdezüchterin - Balance eben!

Bild von www.nadeschdabrennicke.de

krank & autonom - gesund & frei?

Freitag, 22. Mai 2009

Schlingensief…den Namen hat man ja immer mal wieder gehört. Nun wird seine Stimme immer besser hörbar für mich. Seine “Kirche der Angst vor dem Fremden in mir” hatten wir erst kürzlich hier vor der Tür im Landschaftspark und ich könnte mir in den Hintern beißen, dass ich sie verpasst habe. Nun gibt es noch sein Buch über das, was die Krebserkrankung mit und aus ihm gemacht hat. Bin gespannt darauf…auch auf sein Forum.
Wünsche fast, dass Herrn Schlingensiefs Arbeit mainstreamisiert. Von mir aus soll die Bild und die Gala täglich über ihn berichten, damit auch jedem Döspaddel, der noch schläft mal ein bissel Sand in die Augen gerät, er sie sich reibt, ein paar Tränen heraus lässt und danach klarer sieht.

Dem Authentiker himself wünsche ich von hier aus gute Besserung und hoffe, dass er sich auch einmal ein wenig hängen lässt.

Stefanie Jerz