Archiv für die Kategorie ‘das Leben’

krank & autonom - gesund & frei?

Freitag, 22. Mai 2009

Schlingensief…den Namen hat man ja immer mal wieder gehört. Nun wird seine Stimme immer besser hörbar für mich. Seine “Kirche der Angst vor dem Fremden in mir” hatten wir erst kürzlich hier vor der Tür im Landschaftspark und ich könnte mir in den Hintern beißen, dass ich sie verpasst habe. Nun gibt es noch sein Buch über das, was die Krebserkrankung mit und aus ihm gemacht hat. Bin gespannt darauf…auch auf sein Forum.
Wünsche fast, dass Herrn Schlingensiefs Arbeit mainstreamisiert. Von mir aus soll die Bild und die Gala täglich über ihn berichten, damit auch jedem Döspaddel, der noch schläft mal ein bissel Sand in die Augen gerät, er sie sich reibt, ein paar Tränen heraus lässt und danach klarer sieht.

Dem Authentiker himself wünsche ich von hier aus gute Besserung und hoffe, dass er sich auch einmal ein wenig hängen lässt.

das Wichtige, das Wesentliche & das Mögliche

Montag, 11. Mai 2009

Zum Muttertag habe ich vor Wochen, in Kunststein gemeisselt, einen provozierenden Satz gefunden. Kann nichts dazu; er stand einfach da, neben einem Engelsflügel:
“Mütter sind Engel im Training”
Kitschig sah das aus. Ich blieb trotzdem daran hängen. Geradezu trotzig blieb ich an dem Satz hängen. Mutter=Engel. Dieses Bild der aufopfernden Mutter mochte ich ja noch nie und meine Familie…vielleicht nur sie…weiß, dass ich mich dagegen wehre. Ich blieb auch nicht an dem Wort Engel kleben sondern am Wort Training. Es macht diesen “Mutterengel” wohltuend menschlich, bricht ihn herunter auf das Alltägliche, auf das ewige Hadern, Zweifeln, ob frau auch ja alles richtig macht, auf die Unruhe, ob auch alles gewürdigt ist, was sie den ganzen Tag für ihre Kleinen tut. In diesem Satz sind Lücken spürbar und die tun gut. Mir jedenfalls: Ich muss nicht perfekt sein, mich nicht ständig hinterfragen, warum ich diese Haltung oder jene einnehme. Ich trainiere ja! Ich lerne! Ich darf also Fehler machen. So wie jeder Mensch.
Es bedeutet aber auch: Fleißig üben, Disziplin haben, das Wichtige vom Wesentlichen unterscheiden lernen und beidem Achtung schenken. Menschen sind Engel im Training. Mütter und Väter sind Trainer für ihre Kinder, ohne selbst bereits fertig ausgebildet zu sein. Mir das bewusst zu machen beruhigt mich.
Ich habe seit frühester Jugend eine immer mal wieder schmerzende Stelle auf der Rückseite meines Herzens. Wer weiß…vielleicht…wenn ich noch ganz lange übe…dann wächst dort…ganz winzig… ein erster Flügel?

Bild von www.eva-maria-jentsch.de

Bild von www.eva-maria-jensch.de

Aggression, Tanz & Musik

Mittwoch, 01. April 2009

Vor vielen Jahren schrieb ich einer Freundin einen Brief, der ich eine CD mit meiner Lieblingsmusik schenken wollte. Darin ermutigte ich sie, eine wunderschöne, eher sphärische, zarte Person dazu, sich diese Musik anzuhören…laut…lauter…und öfter…damit sie darauf tanzt oder besser stampft…und wieder den Boden der Tatsachen unter ihren Porzellanfüßen spürt. Ich schrieb ihr von der wilden Katze, der sie damit gestattet, sich in ihr breit zu machen, damit sie sich austobt, verausgabt, um sich dann schnurrend, zum Schlaf, wieder in ihr zusammen zu rollen.
Habe heraus gefunden, dass genau diese Musik für mich richtig ist, um im Tanz meine Aggressionen abzubauen.
Heute morgen in der Zahnklinik hatte ich Zeit, minutenlang die Panoramaaufnahme meiner Zähne anzusehen: Zu dem, nun aufnahmetechnisch breitgewalzten Kiefer, waren auch meine Nasen- und Augenhöhlen zu sehen und ich hatte das Gefühl, eine Fratze, mein inneres Biest, starrt mich an. Cool! Ich saß völlig fasziniert davor und führte verstohlen einen inneren Dialog mit ihr. Auf meine Frage: Tier, was brauchst du? kam ganz klar: “Bewegung brauche ich!… Und lass deinen Kopf mal Pause machen!…lebe, liebe, lache und arbeite, dann kann ich meine Zähne behalten und halte mich zurück. Wenn es brenzlig wird bei euerm Menschsein und nur in wirklichen Notfällen fauche ich, beisse ich und helfe dir.”

Ich gehorche und tanze…denn einen toten Zahn habe ich schon.

Beißhemmung vs. Zivilisation

Reißzähne brauchen wir nicht mehr

Windbeutel, Kulturverkauf & Markendehnung

Freitag, 20. März 2009

Heute ist bei mir wohl Markttag. Nicht einer, an und bei dem ich gerne (leider zu selten )unser Obst und Gemüse kaufe, damit unser tägliches Essen regional, frisch und möglichst frei von Schad- und Zusatzstoffen ist sondern einer an dem ich interessante Markt-Meldungen erhalten habe:

Erst bekomme ich unvermittelt eine Einladung auf den Kunstflur, eine Vermarktungs-Seite für Kunst- und Kulturschaffende. Das stürzte mich sofort wieder in das noch zu lösende Dilemma, wieviel Geldverdienen mit Kreativität möglich, nötig, vereinbar und vertretbar ist.

Danach erhalte ich per Foodwatch-Newsletter die Meldung, dass Actimel nun endlich den goldenen Windbeutel für die beste Werbelüge erhalten hat. Verbraucher verleihen den Preis und mir fallen gleich unzählige weitere (Kunst)prokukte ein, die ich nominieren kann. Abgesehen davon habe ich heute wieder viel über Werbestrategie gelernt.

Leute passt alle auf euren Geldbeutel auf. Wenn ich mit meiner Werbemasche fertig bin, zieh ich euch die Euros nur so aus der Tasche, damit ihr in den produktorientierten Genuss meiner völlig zweifelgesättigten, kalorienkonsumerschwerenden und ettikettenschwindelerregenden Kunstprodukte kommt.

Das Bedürfnis dafür werde ich euch schon noch aufschwatzen *diabolisch grins*
Markendehnung nennt man das.

Der Film zur Werbekunst

Bild von www.focusonfrenchcinema.com

es lebe die Vielfalt!

Sonntag, 08. März 2009

Endlich habe ich mit meinem Mann Donnie Darko angesehen. Den wollte er mir schon lange zeigen.
Genialer Film ! Er hinterließ mir ein solches Neuronengewitter, dass ich meinen Mann mit meinen Rückschlüssen auf den Film nur so beballert habe. Der Arme, er war er so müde und ich konnte kaum aufhören zu referieren. Und dabei habe ich gestern lediglich die Struktur des Filmes, den Aufbau geschnallt. Den Film inhaltlich zu interpretieren, dauert da noch. So viele Bedeutungsebenen lassen zu, das der Betrachter des Films freie Wahl aus vielen Möglichkeiten zu haben scheint. Das macht einen Film wahrscheinlich universell: Anwendbarkeit. Ich liebe so etwas…wird mich noch länger beschäftigen.
Dass in diesem Kunstwerk nebenbei mein Lieblingsfilm einen “Cameo-Auftritt” hat, hat mich nicht nur gefreut, sondern auch auf die richtige Spur zum Verständnis des Films gebracht…was für ein Vergnügen!

Bild von Pandorra

Bild von Pandorra

Kopf, Zahl oder doch lieber Herz?

Dienstag, 03. März 2009

Lyrisch geht mir gerade ein wenig die Puste aus…was den Blog angeht ebenfalls…aber so viele andere Sachen sind interessant.
Unser neues Stück wächst und wächst…und nimmt meine Kollegafreundin und mich ganz schön in Anspruch. Außerdem fordern gerade die anderen Schubladenleichen ihr Recht und wollen - wenn auch nur ganz zaghaft - wieder an die noch zögerliche Frühlingssonne. Will heißen: hab diverse alte Texte ein zigstes Mal überarbeitet und eingeschickt. Und die Workshops, mit denen ich gerne ein wenig unser Konto aufpolstern würde muss ich weiter unter die Leute bringen.
Merkwürdig, wie ich meinem Erfolg manchmal selbst im Wege stehe, weil ich nicht komplett und mit all meiner Kraft dort einsteige.

Es ist…wie so oft und schon Klischee - die Liebe, die davon abhält…das Nest zu hause scheint doch immer das beste zu sein…so oft ich auch manchmal selbst hinein sch…
Wieviel Hausarbeit verträgt eine Schriftstellerin eigentlich?

öffentliche Frau vs. private

Bild www.kresin.de

Welche Kräfte braucht ein Land?

Sonntag, 01. Februar 2009

Ich finde immer wieder: Die der Künste!!! Der gute Beuys hatte da schon recht, dass es auf jeden einzelnen ankommt. Ich komme doch aus Düsseldorf und muss irgendwie seinen “Dunst” eingesogen haben…ich weiß auch wo…erinnere mich jetzt…es war in unserem Wohnhochhaus, zwei Etagen über uns…in einer Familie, die ganz besonders war für mich…künstlerisch, ausdrucksstark, sich selbst bewusst und phantasievoll. Wie ich ohne die Verbindung zu diesen Menschen geworden wäre will ich gar nicht wissen…sie haben mich auf den Weg gebracht, die Dinge zu hinterfragen und was zu tun, wenn ich was verändert haben will. Ich danke von hier aus Bibi, Steffi und ganz besonders Heike…

Noch ein Mensch, der mich zur Zeit sehr beeindruckt ist dieser hier. Noch gibt er seine Stimme einem nur kleinen Teil der Menschen in seinem Land…aber es werden mehr…er braucht Multiplikatoren…sagt´s weiter…Aus der Kunst wächst gute Kraft…immer…oder weiß jemand einen Gegenbeweis?

Shalom!

Wonach klingen unsere Stimmen?

Bild: FAZ

Aus einer Mücke einen Elefanten machen…

Freitag, 30. Januar 2009

…aber in durchweg positivem Sinne, im Sinne von Wachstum, das ist uns gelungen.
Das Seniorentheater-Projekt “Auf die Beine stellen” geht stetig seinen Weg. Hoch motiviert haben wir gestern eine weitere Aufführung unseres zweiten Stückes hinter uns gebracht. Wie wunderbar ein Projekt doch funktionieren kann, wenn alle die beteiligt sind an einem Strang ziehen, sich in den Dienst der Sache stellen und sich von ihrer starken und freundlichen Seite zeigen, durften wir in den letzten Tagen erleben. Vom Ensemble, meiner lieben Kollegin und Freundin über den Schulhausmeister und den Gemeinde-Zivi bis hin zum coolen Super-Küster war unser Arbeiten ein einziges Hand-in-Hand und eine große Freude. Und wieder einmal bin ich bestärkt darin, dass sich Individualität nicht durch Ellenbogen, Ecken und Kanten zeigt, sondern durch die Fähigkeit, sich positiv einzubringen. Ich fand´s einfach nur wundervoll und bin noch ganz beseelt davon. Und aus den wenigen, kleinen Fehlern wird einfach nur für das nächste Mal gelernt…ohne Gram…

Ein glückliches Ensemble

Fotos Andreas Boos

vom Wunsch zur Tat…

Freitag, 23. Januar 2009

Immer öfter mit meinem Sohn Gespräche über die “Aufschieberitis”.
Habe ihm von Menschen erzählt, die großartige Dinge tun können, an ihre Kraft kommen. Einfach deshalb, weil sie durch ihr Leid an einer schweren Krankheit ihre Endlichkeit begriffen haben und deshalb keine Zeit vertrödeln wollen. Sie sind in der Lage, die kleinen Dinge des Lebens wert zu schätzen und ihre kleinen Fortschritte zu genießen und bringen ein Licht in die Welt, dass alle zum Strahlen bringen kann. So habe ich schon todkranke Menschen ihre Angehörigen trösten sehen oder vierjährige Mädchen Geschichten erzählen hören, während ich, innerlich fast verzweifelt, in ihrem Arm eine Vene zur Blutentnahme suchte. Finde diese Stärke so unglaublich und wenn ich dem Tod einen Sinn abringen kann, dann einzig den, dass er uns Aufblühen lässt, solange er uns Zeit dazu lässt. Wenn man das für sich einmal begriffen hat, kommt einem vieles lächerlich vor, was man als hinderlich ansieht. Irgendwas geht halt immer…

Und jetzt ist meine kleine Pause zu Ende und ich mache mit meiner Arbeit weiter. Ich verzettle mich schnell.

Bild gefunden bei N24

Wunsch, Vision & Wirklichkeit

Donnerstag, 01. Januar 2009

Goethe meinte ja, dass Wünsche nichts anderes sind, als verborgene Möglichkeiten, die in uns liegen. Ich gehe soweit, zu behaupten, dass die wirklich tiefen Wünsche Visionen sind. Der Wunsch als Wegweiser wo es lang gehen soll? Quasi als sich selbst erfüllende Prophezeiung? Warum nicht?

Vorhin haben die Kinder, mein Mann und ich einen Baum aufgezeichnet und ihn mit kleinen Papierblättern beklebt, auf die jeder einige seiner Wünsche geschrieben hat. Auf die Rinde des Stammes haben diejenigen von uns, die es wollten Stichworte geschrieben, für das, was sie selbst zur Erfüllung ihrer Wünsche beitragen können und auf die Wurzeln die Stärken, die ihnen dabei helfen.
Neben Gesundheit und Harmonie hatten alle meine Blätter mit dem Schreiben zu tun. Bleibe ich meinem Credo treu, wird es ein spannendes Jahr.
Ich wünsche allen ein zufriedenes, kraftvolles & gesundes 2009!!!

Sucht Euren Faden und beginnt ihn zu stricken

Bild www.venusspiegel.de

Stefanie Jerz